Nach "Gasiri-Phantasie (2013) hat der koreanische Komponist Hyun Woo Lee zum Sommerkonzert 2014 wieder ein Werk dem Ensemble Kokopelli gewidmet.

Tabagneya

(2014) - Besetzung: Oboe/Klarinette/Fagott

Tabagneya ist ein altes koreanisches Volkslied. Das Mädchen Kotje (Blume) ist die Tochter einer "Geisterheilerin", ein Gewerbe, das in der koreanischen Gesellschaft in der untersten, der geächteten Schicht angesiedelt war.
Berufe und Stand wurden damals in der Familie weiter gegeben. Es bestand keine Chance auf sozialen Aufstieg.

Dieses Volkslied wurde während der Arbeiterbewegungen in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts zum Lied des Protestes.
Die Elemente der Unterdrückung niederer Stände und der Auswegslosigkeit gehen mit einer tiefen Heimatliebe und einer innigen Verbundenheit zur "Mutter" Korea einher und drücken somit die Anliegen der Arbeiter aus.

Die Geschichte

Das ursprünglich sehr hübsche und liebevolle Mädchen Kotje ist in ihrem Dorf den ständigen Erniedrigungen durch die Standesunteschiede ausgesetzt. Der Vater ist unbekannt, ihre Mutter ist "Geisterheilerin" und gehört damit der geächteten Schicht an. Kotje wendet sich gegen ihre Mutter, da sie diese für ihr Schicksal verantwortlich macht.

Die Mutter stirbt aus Kummer und Kotje wird an einen armen Bauern fern ihrer Heimat verheiratet. Es war der einzige Bräutigam, der das Mädchen aus der untersten Schicht nehmen wollte. Auch die Schwiegereltern setzen die Erniedrigungen fort, bis die unbeugsame Kotje daran zerbricht.

Von ihrer neuen Familie verstoßen zieht Kotje heimatlos und geistig verwirrt durch das Land, um das Grab ihrer Mutter zu suchen. Die Menschen gaben ihr den Namen "Tabagne", was in etwa "die immer Gescholtene" bedeutet.

Der Liedtext

타박네야

타박 타박 타박네야. 너 어디메 울고 가니?
우리 엄마 무덤가에 젖먹으러 찾아간다.
산 높아서 못 간단다. 산 높으면 기어가지.
물 깊어서 못 간단다. 물 깊으면 헤엄치지.
명태 줄까? 명태 싫다. 가지 줄까? 가지 싫다.
우리 엄마 젖을 다오. 우리 엄마 젖을 다오.

우리 엄마 무덤가에 기어기어 와서 보니
탐스럽고 빛깔 고운 개똥참외 열렸길래
두손으로 따서 들고 정신없이 먹어보니
우리 엄마 살아 생전 내게 주던 젖 맛일세......
우리 엄마 젖을 다오. 우리 엄마 젖을 다오.
Tabagneya

Tabag Tabag Tabagneya, wohin gehst Du voller Tränen?
Ich will das Grab meiner Mutter besuchen, um Muttermilch zu trinken
Du kannst nicht dorthin gehen, der Berg ist zu hoch!
/ Wenn der Berg hoch ist, dann klettere ich.
Du kannst nicht dorthin gehen, der See ist zu tief!
/ Wenn der See tief ist, dann schwimme ich.
Soll ich Dir Fisch geben? Nein, ich möchte keinen Fisch!
/ Soll ich Dir Auberginen geben? Nein, ich möchte keine Aubergine!
Ich möchte meine Muttermilch! Ich möchte meine Muttermilch!

Ich bin mühselig bis zum Grab meiner Mutter gestiegen.
Hier wachsen wilde Sträucher mit köstlichen Melonenfrüchten.
Sie nimmt die Melonenfrucht mit beiden Händen und verschlingt sie gierig
Der Geschmack ist genau wie die Muttermilch
Ich möchte meine Muttermilch! Ich möchte meine Muttermilch!