Ensemble Kokopelli: Japanreport 2012

Martins Reiseberichte auf einen Blick!

Der Kokopelli-Sommer 2012 in Japan ist zu Ende. Ich möchte meine persönlichen Reiseerlebnisse mit unseren letzten Tagen in Japan abschließen und hoffe, dass auch diese eher privaten Eindrücke für unsere Freunde zu Hause von Interesse sind.

Herzlich, Ihr/Euer
Martin Jaser (Ma Chan)

13. August - Tag der Ankunft zu Hause
Willkommen in Bremen / freundliches Wetter mit Wasserfontäne / zu Hause

Wunderbares sonniges Wetter erwartet uns in Bremen, das Thermometer steht bei angenehmen 24 Grad. Wir verlassen recht fit und ausgeruht das Flughafengebäude und sehen uns gleich einer Wasserdusche ausgesetzt. Ich vergesse immer wieder, dass es in Bremen manchmal seitwärts regnet. Aber die Quelle der Benässung ist tatsächlich die Wasserfontäne am Flughafen, die mit freundlicher Unterstützung des Nordwindes den Straßenbahnbereich duscht. Extra für uns arrangiert?

Zu Hause angekommen lassen wir erst mal die frische nordische Sommerbrise durch die Wohnung wehen. Fast liebevoll setze ich alles wieder in Gang, was über diese einenhalb Monate ausgeschaltet war: Warmwasser, den Router, alle Netzstecker werden wieder eingesetzt... Dann kümmere ich mich gleich um die Pflanzen. Obwohl sie gut gepflegt wurden haben sie mich sicher sehr vermisst. Anschließend und obligatorisch: Staub saugen!

12. August - Tag der Rückreise
Taxi nach Kobe, Fähre nach Osaka, Flug nach Istanbul

Unsere Priestertante Iokosan muss mit dem Taxi (200km!) nach Kobe fahren und lädt uns ein, sie zu begleiten. Es liegt wunderbar auf unserem Weg nach Osaka und wir sagen zu, die Mutti ist ebenfalls dabei. Vorher geht es aber noch einmal in die entgegengesetzte Richtung zum Schrein in Shikano, den wir mit ihr schon einmal besucht hatten. Er liegt mitten in der bergigen Gegend versteckt im Wald. Die Taxifahrerin hat doch sehr gestaunt, als sie über Feld- und Waldwege holpern musste.

In Kobe angekommen werde ich fast ohnmächtig, als ich auf das Taxameter sehe: Weit über 50000 Yen! Rechnen Sie das mal um, der Kurs steht etwa bei 100Y:1€. Ich hoffe, die Damen haben eine Pauschale vereinbart!
Wir essen alle zusammen noch in einem kleinen gemütlichen Straßenrestaurant. Kobes Besonderheit: So gut wie alle Restaurants schließen am Nachmittag. Die ortskundige Iokosan findet aber trotzdem ein Plätzchen für uns.

Wir lassen uns am Bahnhof absetzen und nehmen Abschied von Miss Iokosan und ihrer Chauffeurin. Ein lustiges Paar! Sie werden Abends nach Tottori zurückfahren. Für uns geht es weiter mit der weltbekannten "Kobe-Monorail" zum Hafenterminal. Von dort aus kann man mit der Fähre von Kobe nach Osaka Kansai-Airport übersetzen, der auf einer eigenen künstlichen Insel angelegt ist.

Wir kommen nach einer halben Stunde auf dem Wasser am Osaka-Airport an, verbringen mit Mutti noch ein bisschen Zeit, bis sie den Bus zurück in die Osaka-City nehmen muss. Sie wird eine Tante besuchen, die ein Stückchen außerhalb Osakas wohnt. Wir checken gemütlich ein, Motoko versucht in verzweifelten Hamsterkäufen noch die letzten Lücken in ihrem Koffer mit japanischen Büchern zu füllen (bei Turkish Airlines sind 30kg frei), steigen um 22 Uhr in das Flugzeug und freuen uns auf die Heimat.

Sitzt man einmal drin, dann kann fast nichts mehr schiefgehen. Auch das Umsteigen in Istanbul mit diesmal 6 Stunden Aufenthalt ist eine sichere Sache - wenn man sich nicht verläuft:
Wir haben einen Tipp bekommen und suchen den berühmten Bazar im Flughafen. Das Aufsichtspersonal weiß von nichts. "Bazar" scheint man in der Türkei nicht zu kennen. Man sagt uns, dass man in der Eingangshalle einkaufen kann. Plötzlich passieren wir den Ausgang und sind draußen. Das ist uns dann morgens um 6 Uhr doch zu viel Freiheit. Wir durchlaufen noch einmal die Sicherheitskontrollen und kehren auf sicheres zollfreies Flughafengebiet zurück.
Übrigens sehr angenehm im Istanbuler Flughafen: Eigentlich alle Cafes haben freien Internetzugang. Der türkische Kaffee ist köstlich, auch die Linsensuppe können wir empfehlen!
Aber dort auf keinen Fall ein Bier trinken, sei es auch noch so klein: Bei den Preisen kann man auch gleich mit dem Taxi nach Bremen weiter fahren!

11. August - Tag 37
Fototermin / Zeremonie im Schrein / Ausblick im Golfclub / Shinto-Basteln

Der Morgen ist unerwartet hektisch: Es ist hochzeitliches Fotoshooting im japanischen Stil angesagt. Ich muss erst um 12 Uhr beim Fotografen sein, die Frauen des Hauses machen sich aber bereits am Morgen schick beim Friseur.
Leider muss ich noch ein wenig büffeln, weil nach der Fotoaktion eine Art Ehebekräftigungszeremonie angesetzt ist, die unsere Priesterinnen-Tante Ioko san durchführt. Ich soll eine DinA3 Seite mit Hiragana-Zeichen ablesen lernen. Ich kann es langsam lesen, verstehe aber nicht, was drinsteht. Scheint eine Art Ehe-Gelübde zu sein.

Mittags werde ich dann vor Ort in einen coolen schwarzen Kimono gekleidet. Es sind mehrere Schichten und ich werde zusammengegknüpft wie ein Rollbraten. Ganz schön heiß, sieht aber toll aus. Leider gibt es kein Schwert, sondern einen Fächer als Accessoire. Ist Tradition!
Insgesamt kümmern sich neun Personen um uns: Kleidungsspezialistin für den Mann, Kleidungsspezialistin für die Frau, Make-up, Haare, Haarschmuck, der Meister, seine Assistentin, deren Helferin, die Frau für die Schuhe und für alle anderen Dinge... Die Belegschaft hat ihren Spaß mit uns und bittet sogar darum, unsere Bilder für ihre Werbung verwenden zu dürfen. Mal sehen!
Es dauert dann fast drei Stunden, bis alles sitzt, wir unsere Posen zu zweit abgearbeitet haben, alle Verwandten da sind, nochmal alle Kombinationen durchprobiert wurden und letzendlich auch die privaten Fotoapparate frei abgeschossen werden dürfen.

Es naht die Zeremonie im Schrein. Keine Zeit zu essen, keine Zeit für meinen Text. Aber keine Sorge: Wir sprechen den Text gemeinsam und ganz langsam.
Eine kleine Besonderheit macht mich sehr locker: Nach einigen Gebeten in indischer Kehlkopfsprache dürfen wir aus drei Ritualschüsseln trinken. Jede größer als die vorherige. Natürlich Sake. Mit einem wohlmeinenden Lächeln schenkt die Priesterin mir ordentliche Portionen ein.

Wir wollen doch ein kleines bisschen feiern, wenn die Familie für das Foto und die Zeremonie schon mal beisammen ist. Es geht in einen Golfclub, der hoch über der Sanddühne liegt und einen herrlichen Ausblick bietet. Dort bekommen wir von unserer Tante Iokosan einen tollen Hochzeitskuchen geschenkt, der natürlich gleich fotografiert und verspeist wird.

Eine weitere Sache, die ich am Hochzeitstag so zum ersten Mal gemacht habe: Nächste Station ist der Baumarkt.
Die Sache mit unserem Wohnzimmergott hatte sich als hartnäckig erwiesen. Also kaufen wir neues Material, eine neue Ablage für seinen Schrein. Abends zwischen Wäschewaschen und Kofferpacken schrauben wir dann den neuen Schrein an die Wand und richten ihn dem Hausgott gemütlich ein. Wir sehen uns dann im nächsten Jahr!
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10. August - Tag 36
Wäsche, Abhängen und Aufhängen

Endlich einmal haben wir einen Tag ohne jede Verpflichtung. Motoko möchte Vormittags ihre Dauerwelle erneuern lassen (geht nur in Japan!) und am Nachmittag eine Freundin treffen. Alle anderen müssen arbeiten. Wie lange und sehnlich habe ich auf diesen Moment der Einsamkeit gewartet!

Seit unserer Rückkehr aus Hiroshima sind die Temperaturen sehr gemäßigt, es ist richtig gemütlich. Wie gemacht zum Abhängen!
Ich hänge gemütlich die Wäsche ab, bügle einige Hemden, danach setze ich mich mit einem Buch in die heiße Badewanne.

Motoko kommt, wir essen leicht zu Mittag, sie geht wieder. Ich tue weiter einfach nichts.

Abends doch noch ein "Termin": Der neu angebrachte Schrein im Wohnzimmer ist vor einigen Tagen mit Getöse von der Wand gefallen. Nun müssen wir ein neues Brett, eine neue Technik oder was auch immer anwenden, um den Hausgott sicher anzubringen. Ich denke, vier statt der ursprünglichen zwei Schrauben hätten es schon getan;)
Anschließend koche ich meinen Klassiker "Spaghetti Carbonara". Doch wieder arbeiten! Na gut, für die Mutti jederzeit und gerne!
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9. August - Tag 35
Kostümprobe und Caprice

Ich verbringe den Vormittag mit Wikipedia-Recherchen über Hiroshima, Nagasaki und den sog. Pazifik-Krieg. Das Thema hat mich doch sehr vereinnahmt. Leider nimmt dieser Stoff kein Ende, wie immer gibt es in der Geschichte ein "was passierte davor?". Ich nehme Abstand von der Bewertung all dieser Ereignisse. Unschuldig war wohl keine Nation.

Wir werden von unserer Mutti gebeten, doch bitte Hochzeitsfotos im japanischen Stil anfertigen zu lassen. Wir wollen nicht so recht, jedoch sie hat alles bereits arrangiert. Es ist ihr eben sehr wichtig, uns neben den anderen Bildern der Verwandten einreihen zu können. Ich gebe zu, dass wir vor drei Jahren in Deutschland schlichtweg vergessen haben, richtige Fotos zu machen. Also erfüllen wir den Wunsch. Termin ist am Samstag.
Nach einem Besuch eines Onkels im Krankenhaus geht es weiter zu Kimono-Verleih, wo wir unsere Hochzeitstracht probieren. Das wird sicher lustig.

Wir treffen uns mit unserer Freundin Kanae vom Warabekan-Museum am Abend in unserem Lieblingsrestaurant "Caprice". Ich bin mit Bier und essen etwas vorsichtig, weil wir ein letzter Zeit deutlich zugelegt haben. Also nur ein kleines (aber dennoch üppiges) Menü und nur ein (-einhalb) Bier. Auch von Kanae und den Caprice-Wirten verabschieden wir uns.
Obwohl wir viel Spaß haben und gerne länger bleiben möchten bin ich sehr erschöpft und dränge darauf, nach Hause zu gehen. Ich zwicke meine Frau so lange in den Hintern, bis sie sich endlich losreißen kann. Ich bin inzwischen so müde, dass ich nur noch in mein Bett falle und sofort schlafe.
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8. August - Tag 34
Hiroshima Stadt, Schloss und Friedensmuseum

Wir treffen Motokos Cousine Tomoko, die in Hiroshima lebt. Wir spazieren ein wenig umher, dann geht es zum Schloss, das in den 50er Jahren wie der übrige Stadtkern neu aufgebaut wurde. Die Stadt ist mir sofort sympatisch, eine weltoffene Metropole, in der freundliche und herzliche Menschen (außer den Taxifahrern) leben. Hier könnte es mir gefallen!
Wir besuchen ein weiteres Restaurant, das für Okonomiyaki berühmt ist und versuchen weitere leckere Varianten. Dazu gebratene Austern. Wir wollen vor dem Besuch des Friedensmuseums essen, weil dessen Ausstellung schon so manchem den Appetit vertrieben haben soll.

Im Friedensmuseum und dem zugehörigen Areal wird der Atombombenabwurf, aber auch die militärische und zivile Handdhabung der Atomkraft thematisiert. Vor allem die dramatischen Ereignisse und die Opfer des Bombenabwurfs werden vor Augen geführt. Es ist nicht so sehr neues Wissen oder Opferzahlen, die mich berühren, sondern das Nachempfinden vom Leid so vieler Menschen, von vielen einzelnen Schicksalen, Schmerzen und sinnlosem Tod.
Ich bin in diesem Moment froh, weder Japaner noch Amerikaner zu sein, weil ich nicht weiß, wie ich mit dieser Situation umgehen würde. Trotzdem spüre ich einen unbestimmten Zorn und wünsche mir, dass die Menschheit eines Tages einige Dinge zu verstehen beginnt.

Nach einer Kaffeepause müssen wir uns am Nachmittag auch von Cousine Tomoko verabschieden. Vielleicht kommt sie uns mal in Deutschland besuchen. Auch wir machen uns auf den Weg nach Hause (Tottori), wo wir Nachts ankommen.
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7. August - Tag 33
Itsukushima-Schrein / Abschied einer Dame / Okonomiyaki in Hiroshima

Itsukushima-Schrein Masami, Motoko und ich stehen früh auf, weil wir den berühmten Itsukushima-Schrein auf der Insel Miyajima in Hatsukaichi nahe Hiroshima besuchen wollen (das ist der mit dem roten Tor im Wasser).
Mit der Fähre setzen wir über und bestaunen wenig später die riesige Anlage, in der Buddha gemeinsam mit einigen wichtigen Shinto-Göttern angebetet wird. Darunter ist auch der Gott der Kunst, dem wir einige Yen und ein paar Räucherstäbchen opfern.
Nicht weit davon entfernt steht eine kleinere hölzerne Buddhastatue. Man darf sie "streicheln" und bekommt dafür Verstand (Kopf), Fingerfertigkeit (Hände) und weitere Gaben verliehen. Für die Intonation habe ich ein wenig an seinen Ohren gerieben. Hoffentlich hält's lange!

zwei Frauen Nach ausführlicher Besichtigung und einem kleinen Eis möchten wir nach Hiroshima City zurückfahren, um "Okonomiyaki" zu essen, für das Hiroshima berühmt ist. Danach muss Masami zum Bahnhof. Leider dauert die Rückfahrt viel länger als gedacht, so dass wir am Bahnhof in ein Cafe einkehren und mit Masami die letzten Minuten verbringen. Sie wird über Osaka nach Tokyo, ihre Heimatstadt, zurückkehren, wo sie sich um eine Stelle bemüht. Ich denke an die letzten Jahre zurück und stelle wieder einmal fest, dass aus dieser jungen begabten Klavier-Studentin eine richtige Tokioter Dame geworden ist. Und so verabschieden wir uns. Danke Masami!

Wir checken in unser Hotel in Hiroshima ein, ruhen etwas aus und suchen endlich ein gutes Okonomiyaki-Restaurant.
>>> Okonomiyaki auf Wikipedia
Diese Hiroshima-Art wird mit Nudeln und Kraut oder nur Nudeln zubereitet. Echt köstlich! Bitte unbedingt einmal probieren!
Nach unserem Schmaus kehren Motoko und ich in eine nette Kneipe bei unserem Hotel ein, wo wir noch eine Sake-Spezialität der Stadt kosten und in trauter Zweisamkeit lange in die Nacht hinein plaudern.
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6. August - Tag 32
Abschiede / Reise nach Fukuyama / ein Kontrabasskonzert

Kokopelli-Abschied Langsam aber sicher machen sich Abschiedsschmerzen bemerkbar. Unsere Freunde und Kollegen Nayoung und Martin Abendroth reisen nach Gunsan in Korea zu Nayoungs Familie ab. Mit einer Träne im Knopfloch setzen wir die beiden in den Bus nach Osaka, von wo sie weiterfliegen werden. Doch wir wissen, dass sie in Südkorea noch wunderbare Wochen verbringen werden und sind deshalb nur ein kleines bisschen traurig. Man sieht sich bald in Deutschland wieder.

Meer bei Tottori Masami, Motoko und ich machen uns nach einer kleinen Rundfahrt zu Tottoris schönsten Küstenorten auf die Reise nach Fukuyama in der Nähe von Hiroshima, wo wir ein Konzert unseres Bekannten Hiro hören, der eigentlich Solobassist der Bremer Philharmoniker ist. Sein Klavierpartner, der ebenfalls aus Fukuyama stammt, hat einige Zeit in Berlin studiert.

Kontrabass und Klavier, einen ganzen Abend lang! Hmmmm..., denken jetzt sicher viele. Doch die beiden Musiker ziehen mich mit ihrem Programm dermaßen in ihren Bann, dass ich jede Sekunde gespannt zuhöre. Sehr inspirierend!
Wir feiern anschließend mit den Musikern und ihren Freunden und gehen früh (gegen 12) zu Bett. Schließlich haben wir am nächsten Tag jede Menge vor!
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5. August - Tag 31
von Martin Abendroth

Nachdem wir alle Konzerte gespielt haben bleibt uns an unserem letzten Tag in Japan ein Wenig Zeit für Sightseeing. Da uns im letzten Jahr der Amedaki- Wasserfall so gut gefallen hat, fährt das ganze Ensemble wieder dorthin. Unterwegs, an der letzten Raststätte vor dem Wasserfall treffen wir noch einmal Motokos Onkel. Er wollte sich kurz vor seiner Abreise nach Tokio diesen schönen Wasserfall nicht entgehen lassen. Mit vielen Fotos und Grüßen verabschieden wir uns von ihm. Oben angekommen, bewaffne ich mich mit meiner Kamera und mache eine Aufnahme nach der anderen. Im letzten Jahr konnte ich nur Fotos mit meinem Handy machen. Dafür bin ich jetzt umso glücklicher. Der Wasserfall und seine Umgebung bieten wirklich schöne Motive zum Fotografieren.

Leider müssen wir irgendwann dies schöne Fleckchen Erde verlassen. Es war hier tatsächlich ein bisschen kühler als in der Stadt. Dafür war es im Auto danach umso heißer. Wieder im Hotel angekommen, bleibt uns nicht viel Zeit, denn wir wollen das Konzert des Ensemble Isaribi im Saal der Uni besuchen. Geboten wurde ein anspruchsvolles und vielseitiges Programm.

An unserem letzten Abend in Japan sind wir zu Hause bei Niikura Sensei zum Essen eingeladen. Seine Frau, Sanae, hat für uns gekocht. Und wie!!! Es gibt größten Teils mediterrane Küche. Die Pizza ist der Wahnsinn. Die kann wirklich gegen einige italienischen Restaurants bestehen. Leider geht auch der schönste Abend und die schönste Zeit irgendwann zu Ende. Nayoung und ich packen im Hotel unsere Koffer, da wir morgen nach Korea fliegen. Es war wieder eine sehr ereignisreiche und schöne Zeit in Tottori. Eben „… noch besser, als im letzten Jahr…“

Bis zum nächsten Mal.
Euer Martin A.
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4. August - Tag 30
von Martin Abendroth

Da wir wieder im Unihotel wohnen, ist die erste Amtshandlung des Morgens: Einkaufen. Dabei ist es schon so unerträglich heiß, dass wir uns über jede Abkühlung freuen. Nach dem Frühstück relaxen wir im Hotel und warten auf Niikura Sensei, der uns um 13 Uhr zur Probe für das heutige Konzert im Kindergarten abholt. Dort spielen und singen wir verschiedene japanische Kinderlieder. Auch Nayoung und ich dürfen uns im Singen versuchen. Außerdem spielt das Ensemble Kokopelli Stücke aus seinem Repertoire, und ein Frauenchor singt u.a. ein Lied über das Fischessen. Hmm.

Nach dem Konzert gehen wir mit Motokos Onkeln in eine Ausstellung im Rahmen des Kunstfestivals in Bremen. Zu sehen sind verschiedene Künstler. Besonders beeindruckt haben uns die Werke von Shinnosuke Idani, der Bilder von vielen großen europäischen Bauwerken ausgestellt hat. Schnell noch einmal zurück zum Kindergarten, denn dort hatten wir unsere Sachen abgestellt um nicht zu viel tragen zu müssen. Nun geht es zu Abschlussfeier des Festivals. Da wir viel Zeit haben, flanieren wir auf der größten Straße Tottoris, auf der das allsommerliche Straßenfest stattfindet. So können wir einige Rockbands, aber auch traditionelle Trommler beobachten.

Bei der Abschlussfeier kommen Martin und ich mit besagtem Maler ein wenig ins Gespräch. Unsere Themen führen von Deutschland, Japan über Kunst bis hin zu philosophischen Themen. Martin und ich sind uns nicht sicher ob er unser Englisch verstehen konnte.
Wieder zurück im Hotel muss ich mir vor dem Schlafengehen einen Splitter aus dem Fuß operieren. Den hatte ich mir wohl im Kindergarten eingetreten.
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3. August - Tag 29
von Martin Abendroth

Nach dem Frühstück heißt es für uns wieder: Sachen packen. Wir müssen noch einmal unsere Unterkunft wechseln. Nach einer kleinen Shoppingtour durch die Innenstadt machen wir uns wieder mit dem Zug auf den Weg in die Uni. Irgendwie sind unsere Sachen viel schwerer als auf dem Hinweg. Ach ja, richtig, da hatten wir uns ja ein Taxi geleistet. Dank der netten Frau im Gästehaus der Uni können wir nicht nur unsere schweren Sachen dort lassen, sondern nach ein paar Minuten auch schon komplett einchecken. Mittagessen gibt’s wieder in der Mensa. Anschließend darf ich mit Nayoung noch eine Stunde im Saal üben. Da wir mehr Zeit haben als wir dachten, können wir im Hotel noch ein wenig relaxen.

Höhepunkt des Tages ist natürlich unser Kammermusikabend in der Universität. Der Saal ist Gott sei Dank nicht so heiß wie im letzten Jahr. Es erklingen Werke von G. Auric, T. Olah, H. Tomasi, F. Poulenc, Prof. K. Niikura und M. Joman. Wir freuen uns, dass so viele Leute den Weg zu uns gefunden haben. Das ist auch der Qualität des Konzertes anzumerken.
Beim anschließenden Beisammensein (es gibt viele kleine Snacks und reichlich Bier) werden die Umfrageblätter des Publikums ausgewertet. Wir ernten viel Lob, bekommen aber auch ehrliche Meinungen („… Das letzte Stück war zu langsam…“, „… es war noch besser als im letzten Jahr…“) Der letzten Meinung schließen wir uns an, können uns aber auch denken wer das geschrieben hat.
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2. August - Tag 28
von Martin Abendroth

Nach der gestrigen Party war die Nacht sehr kurz. Am Morgen merke ich doch ein wenig meinen Jetlag. Ich konnte nicht einschlafen, (lag aber auch an der Hitze im Zimmer - Klimaanlage an, dann ist es schon wieder viel zu kalt) und ich komme um 8.30 überhaupt nicht aus den Federn. Irgendwie schaffe ich es dann doch und es gibt ein gemütliches Frühstück. Für die beiden Damen (Nayoung und Masami) im asiatischen Stil (mit Fisch und so), für mich Rührei mit Schinken.
Da Masami heute frei hat, geht sie auf Sightseeingtour. Nayoung und ich fahren mit dem Zug zu Uni. Bevor wir einen Mittagssnack zu uns nehmen, sitzen wir einfach auf einer Bank auf dem Campus und lassen die Bilder auf uns wirken. Ab 14 Uhr proben wir im Saal der Uni die Poulenc Sonate für 2 Klarinetten. Die spielen wir nämlich morgen im Konzert (Falls noch jemand Lust hat vorbeizukommen). Später kommt der Rest der Rasselbande dazu und das Ensemble probt auch noch für morgen.

Am Abend hat sich Nayoung mit ein paar Koreanern aus der Uni verabredet. Wir verbringen den Rest des Tages bei gutem Essen und interessanten Gesprächen. Publikum für morgen haben wir auch gewonnen.
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1. August - Tag 27
von Martin Abendroth

Liebe Leser,

heute schreibe ich, Martin A., von meinem ersten Tag in Japan. Da ich auch Martin heiße, bleibt es aber trotzdem Martins Japanreport. So kommt es wenigstens nicht zu Verwirrungen.
Martin A's Ankunft Nach einer langen Reise bin ich gestern am späten Abend (31.7.) gut in Tottori angekommen. Hingegen aller Befürchtungen von Motoko, Martin und Nayoung habe ich in der Nacht durchgeschlafen und bin nicht dem Jetlag zum Opfer gefallen. Meine Taktik, auf der Busfahrt nach Tottori NICHT zu schlafen, um später richtig müde zu sein, ist voll aufgegangen. Zwar war das Wachbleiben ziemlich anstrengend, aber es hat sich gelohnt.
Erste Tat des Tages: Masami, Nayoung und ich müssen unsere Sachen packen (ich hatte ja nicht wirklich viel ausgepackt) und die Unterkunft in der Uni gegen ein Hotel in der Nähe vom Hauptbahnhof. Gestärkt durch ein gutes Frühstück im Café des Hotels, machen wir uns auf den Weg zur Stadthalle, wo heute Abend das Friedenskonzert stattfinden wird. Auffällig bei dem 10- minütigen Spaziergang ist die, bereits am Vormittag, unglaubliche Hitze. Wir sind froh über jeden Raum mit Klimaanlage. Diese sind jedoch oft so kalt, dass ich vorsichtshalber immer eine dünne Jacke dabei habe.
In der Stadthalle werde ich bereits von Niikura Sensei erwartet. Heute Abend gibt es eine asiatische Erstaufführung. Komponist des Stückes (3 Miniaturen für 2 Klarinetten und 1 Fagott) ist niemand anders als meine Wenigkeit. Ich hatte dieses Werk vor mehr als 10 Jahren geschrieben. Als Prof. Niikura im Juni in Bremen war, hat ihm das Stück so gefallen, dass er kurzerhand beschloss es im heutigen Friedenskonzert aufführen zu lassen.
Zwischen Generalprobe und Konzert bleibt uns ein wenig Zeit um im Hotel ein wenig zu entspannen. Das Konzert dauert länger als erwartet, gibt es doch zu Beginn noch ein Theaterstück, gespielt von der Theatergruppe aus Nichinancho. Insgesamt ist es ein sehr gelungenes Konzert. Zum Abschluss spielen und singen wir zwei Japanische Volkslieder. Beim zweiten tritt Martin J. selber als Gesangssolist auf. Respekt. Ich selber kann noch kein Lied in der Sprache meiner Frau (in diesem Fall koreanisch) singen und würde es nie in einer gut gefüllten Stadthalle tun.
Bei der Party danach gibt es viele Fischgerichte. Das macht mir als Nicht-Fischesser nicht viel aus, bereitet der Koch doch extra für mich zwei Gerichte mit Huhn zu. Eines davon mit Austernsoße. Hab ich natürlich nicht gemerkt. Hätte ich das gewusst. Nicht nur meine Frau hat herzhaft über mich gelacht.
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27. - 31 Juli in eigener Sache

Unsere geneigten Leser werden sicherlich bemerkt haben, dass die Berichterstattung ein wenig lahmt. Leider hat das Ensemble Kokopelli seit Nayoungs Ankunft besonders viel zu tun: Konzertvorbereitungen, Fotoshootings, zwei Aufnahme-Nächte, Promotion und gesellschaftliche Verpflichtungen, ... Es ist eben keine Urlaubsreise!
Wir bitten noch um ein wenig Geduld und versprechen, die Geschehnisse dieser Tage demnächst zu rekonstruieren.

Herzlichst Ihr/Euer Ma Chan (Martin J.)
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26. Juli - Tag 21:
Erste Kokopelliprobe / Serenade / Buffet

Wir lassen den Tag langsam angehen. Vormittags ist Üben und Notenschreiben angesagt. Dann treffen wir uns am Nachmittag zur ersten Probe. Nach fleissigen gefühlten drei Stunden (Na gut, es waren fast zwei!) holen wir unsere Mutter von der Arbeit ab und besuchen das Konzert der des "Arts laboratory", in dem unsere Bekannten Tomoko, der Flötist Nishihiro, unsere Tänzerin Kiriko mit ihrer Marimba-Schwester und viele Studenten der Uni mitwirken. Unser Tänzer des letzten Jahres, Mikio, der dafür eine besondere Begabung hat, schießt Fotos.

Es kommt, was kommen musste: Wir besuchen zur Feier von Nayoungs Ankunft unser beliebtes Buffet-Restaurant. Wir haben knapp 50 Minuten um zu essen. Ich tue, was ich kann. Leider sind jetzt meine bisherigen schönen Abnehmerfolge gänzlich zunichte gemacht.
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25. Juli - Tag 20:
Krankenhauskonzert / Probe in der Stadthalle / +++ Kokopelli komplett +++

Vom Vorabend etwas verkatert widme ich mich morgens der Aktualisierung unserer Website. Natürlich alles nur für unsere Fans zu Hause;).
Um halb eins fahren wir dann mit dem Bus in die City zum Seikijou-Krankenhaus, wo wir jedes Jahr ein Krankenkonzert geben. Wir spielen einfache klassische Stücke und wunderschöne japanische Volkslieder. Patienten, Besucher und Personal singen mit. Es ist die Palliativstation, wo auch Motokos Oma vor Jahren sehr liebevoll gepflegt wurde. Die Patienten dieser Abteilung werden kaum wieder nach Hause zurückkehren. Trotzdem ernten wir herzliche und warme Dankbarkeit.

Anschließend besuchen wir eine Probe unseres Schulblasorchesters in der Stadthalle. Es ist kurz vor den berüchtigten Wettbewerben. Wir treffen nochmal die Musiklehrer und überraschend Motokos ehemaligen Musiklehrer Herrn Takeda. Und ich hatte versprochen, die Rohre der Schüler vor dem Wettbewerb etwas "herzurichten"

Wir kehren am Abend nach Hause zurück und warten auf ein Lebenszeichen unserer heiß erwarteten Klarintettistin Nayoung, die gerade in Osaka angekommen sein muss. Voraussichtliches auftreffen mit dem Bus in Tottori um 23:30h.
Etwas früher als erwartet bekommen wir gegen elf einen Anruf und stürzen zum Auto: Sie ist da!!! Wir holen Nayoung am Busbahnhof ab und treffen Niikura-Sensei, der die Schlüssel für das Uni-Hotel hat. Wir finden ihn in einem gemütlichen kleinen Restaurant mit dem Arzt Seito-Sensei und müssen natürlich auch noch ein kleines Biru einnehmen. Eine lustige Fahrt ins Hotel später kann sich Nayoung dann endlich von der anstrengenden Reise erholen.
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24. Juli - Tag 19:
Probe, chinesisch Essen und international affairs / Gymnasium mit Abschlusskonzert / Feiern im Caprice

Mit unserer Pianistin Mai proben wir kurz für das morgen stattfindende Konzert in Seikjou-Krankenhaus. Danach essen wir mit Professor Niikura beim Chinesen (lecker Ramen und Mabotofu!!!) und besuchen gemeinsam das Tottori Institut für Internationale Belange (oder so ähnlich). Lustigerweise ist das im Flughafen angesiedelt, der nicht gerade in der Stadtmitte liegt. Wir bekommen gute Hinweise, wo und wie man Fördergelder für unsere geplanten Projekte im kommenden Jahr bekommen kann.
Plötzlich werden wir von einem älteren Herrn angesprochen, der als junger Mann einige Jahre in München gearbeitet hatte. Er hat uns gehört und wollte wieder einmal ein bisschen deutsch sprechen. Flughäfen sind immer gut, um Leute zu treffen!

Nach einer zehnminütigen Kaffeepause geben wir unsere dritte Unterrichtseinheit im Gymnasium. Ich habe mich vorbereitet und einen Japanisch-Spickzettel mit den wichtigsten Begriffen gemacht. Sprachlich klappt es ganz gut, meine Schülerinnen scheinen mich fast immer zu verstehen. Manchmal dauert es halt ein bisschen. Aber wir haben viel Spaß und die beiden entwickeln sich sehr gut!
Wir machen zusammen ein Abschlusskonzert, in dem wir Duette und Trios mit den Schülerinnen spielen. Am Ende eine merkwürdige Situation: Wir verbeugen uns einige Male und es wird still! Plötzlich steht das gesamte Auditorium auf, ein Mädchen ruft etwas mit befehlsgewohnter Stimme und alle antworten. Dann wieder Stille. Ich denke an Stephen Kings "Kinder des Mais" und verschwinde in unsere Garderobe. Aber alles halb so wild: Das war nur ein kollektives "Dankeschön"!

Wir sind wieder mit vielen Bekannten im Caprice verabredet. Alle sind aus Motokos Musik-AG und haben musikalische Erfahrung. Wir erzählen von Deutschland und dem Musikerleben und Motoko und ihre Bekannten schwelgen in Erinnerungen an die alten Zeiten. Ich merke, dass ich mich auf einem niedrigen Niveau schon ein wenig auf Japanisch unterhalten kann. Es ist aber wirklich sehr anstrengend und ich strapaziere damit die Geduld meiner Gesprächspartner. Trotzdem ein schönes Gefühl.
Der Abend rückt vor und ich werde sehr müde. Ich erinnere mich dunkel, mit dem Restaurantbesitzer einen Termin zum Angeln gemacht zu haben. Aber da frage ich lieber nochmal meine Frau!
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23. Juli - Tag 18:
Baseball / Curry / Fahrradfahren mit links

Ein weiteres Highlight in diesem Jahr: Mit dem Blasorchester des örtlichen Gymnasiums besuche ich ein wichtiges Spiel der Schul-Baseballmannschaft. Motoko und unsere PR-Managerin, die Priesterin Iokosan, besuchen einen Frauenchor, um Werbung zu machen.
Das Schulblasorchester muss wie die Cheerleader und die anderen Animateure die Mannschaft begleiten und anfeuern. Ich bekomme ein Mitglieds-T-shirt und einen Sonnenhut sowie zwei Plastiksprachtrichter, mit denen man laut klopfen und rufen kann.
Wir fahren um 7.15h los und sind wenig später im Stadion. Ein wolkenloser Himmer verspricht höchste Temperaturen, es ist um 8h bereits sehr heiß.
Das Orchester muss jeweils in der "Offens" spielen, und zwar so lange, wie der Spielzug gerade dauert. Dazwischen machen die Mannschaftsmitglieder, die heute nicht spielen dürfen, eine eigene Show mit richtigen Choreografien. Außerdem gibt es neben den Cheerleadern noch eine männliche Animateurgruppe. Sie sind in lange schwarze Uniformen gekleidet (die Armen!) und machen sich lautstark während ihrer Moves bemerkbar.
Alles geht sehr schnell und läuft auf wunderbare Weise wie ein Uhrwerk, das von den Schülerinnen und Schülern aller Gruppen bestens koordiniert wird.

Nach über zwei Stunden haben wir es geschafft. Leider 1:3 verloren. Aber ein tolles Erlebnis!
Der Lehrer Herr Kagawa bringt mich zurück zur Schule, wo ich mich mit Motoko und der Priesterin Iokosan zum Curryessen treffe. Und was für ein Curry: Sehr lecker aber unglaublich scharf! Zum ersten mal begegnet mir eine Speise, die es in Sachen Schärfe mit dem Kimchi unserer Klarinettistin Nayoung aufnehmen kann!

Die Frauen waren mit dem Fahrrad unterwegs, jedoch wollen wir später Muttis Auto benutzen. Sie stößt zu uns und wird von Motoko zurück in ihre Firma gebracht. Meine Aufgabe ist es nun, das Fahrrad nach Hause zu bringen. Achtung: Linksverkehr! Hat alles gut geklappt, war aber ganz schön spannend!

Wir stellen mich einer weiteren Tante vor, die Motoko schon seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Der Onkel ist gerade leider im Krankenhaus, den werden wir später besuchen. Später steht Karaoke auf dem Programm. Allerdings bin ich vom Spiel und allem ganz fertig und bleibe zu Hause, wo ich mit Mutti und dem Onkel einen lustigen Abend verbringe.
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22. Juli - Tag 17:
Orchesterprobe / Mittags-Sushi / endlich Angeln

Heute Vormittag besuchen wir die Probe des örtlichen Orchestervereins. Es ist extra ein Dirigent aus Tokyo da, der hin und wieder das Orchester betreuen wird. Heute Liszts "Le Prelude", leider ohne die "Schweres Blech"-Batterie, dafür mit einem gut aufgelegten Jagdhorngeschwader. Der erste Fagottist spielt sogar ein Basson! Viele Bekannte von Motoko und auch unser Komponist Herr Joman (Becken) und seine Frau (Pauken) spielen dort mit. Wir sprechen kurz über unsere Konzerte und können eine Menge Karten verkaufen.

Mit Herrn Jomans Familie besuchen wir daraufhin ein tolles Sushi-Restaurant (jeder Teller 100yen!). Ich lerne endlich seine beiden Töchter (6 und 9) kennen, die ich bisher nur über Skype gesehen hatte.

Abends ist es dann soweit: Endlich Angeln! Motoko bringt die Mutter und mich zum Hafen und geht dann wie gewohnt shoppen. Es läuft gemütlich an. Plötzlich habe ich einen ganz schweren Burschen am Haken. Ein dramatischer Kampf Mensch gegen Meeresbewohner - dann reißt die Schnur, der Fisch samt Köderkorb, Blinker und Leine zieht von dannen.
Wir sind mit dem Fang zufrieden und freuen uns schon auf das Abendessen. Aber schnell: Angeln macht müde!
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21. Juli - Tag 16:
Fauler Vormittag / Sponsorenbesuch / Arbeitsteilung

Wir haben bereits zwei Wochen in Japan verbracht, etwa drei Wochen liegen noch vor uns. Nach dem anstrengenden Vortag lümmeln wir den ganzen Vormittag zu Hause auf den Futonmatten herum. Wir erledigen dies und das und können uns nicht mal zum Frühstück motivieren. Leider haben wir aber auch an diesem schönen Tag Termine!

Wir treffen am späten Mittag Niikura-Sensei (Herrn Prof Ken Niikura) am Bahnhof und besuchen die nahegelegene Arztpraxis eines Festivalsponsoren. Danach ziehen wir uns zum strategischen Gespräch in ein Cafe zurück. Toller Kaffee aber Preise wie im Cafe Sacher in Wien!

Abends wollte eigentlich die Priesterin vorbeikommen und ihre Karten abholen. Wir sind müde und wollen es verschieben. Sie bittet Motoko, die Karten zu ihr nach Hause zu bringen. Dann könnten die beiden auch Motokos alten Lehrer in einem Lokal treffen. Ich bleibe zu Hause und schreibe meine Zeilen für das Tagebuch.
Aus dem kurzen Besuch der Priesterin wurde eine Promotiontour durch Tottoris Kneipenszene. Um drei Uhr morgens kehrt meine Frau zurück. Aber: Sie hat einige Karten verkauft;)
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20. Juli - Tag 15:
Der Tag des Wassers: eine Shinto-Pilgerreise

Wir unternehmen mit der Shinto-Pristerin, die wir kürzlich kennenlernten, einen Ausflug, der schnell zum spirituellen Erlebnisurlaub wird. Morgens, als wir uns vor acht auf den Weg zu ihr machen, regnet es bereits in Strömen. Das nasse Element wird uns auf wundersame Weise den ganzen Tag über begleiten:
Wir besuchen mehrere Schreine in der Gegend von Shimane (Nachbarpräfektur von Tottori) in Richtung des "kleinen Fuji". An jedem Schrein wäscht man sich an dem kleinen Waschhäuschen mit dem Drachen die Hände und spült den Mund aus. Einmal halten wir unsere Hände in das Becken und sehen, wer im kühlen Wasser am längsten durchhält. Unserer Priesterin hatte die Idee!

Wir fahren bergan und wandern später ein bisschen in die Reis- und Gemüsefelder hinein. An einem kleinen Bach kühlen wir die Füße und ruhen etwas aus.
Hier in den Bergen ist das Wasser so frisch und rein, dass man es bedenkenlos trinken kann.Unsere Begleiterin kennt eine Stelle, wo man das Wasser aus dem Berg abzapfen kann. Wir füllen zwei große Kanister. Das Wasser schmeckt wirklich unbeschreiblich weich und rein!

Nach dem Mittagessen, einer verlorenen Geldbörse und einem weiteren Schrein besuchen wir eine andere Priesterin. Sie ist 73 und sieht gerade mal aus wie 50! Sie interessiert sich sehr führ unsere Konzerte und kauft uns gleich einige Eintrittskarten ab.
Es geht weiter ins "Onsen". Heißes Wasser, wie wohltuend! Dort bleiben wir für eineinhalb Stunden. Ich bin danach sehr entspannt, doch das nächste feuchte Erlebnis wartet: Wir gehen unweit der "Hase-und-Gott-Stelle" bei Aoya Schwimmen im Meer. Der Himmel ist etwas bewölkt, doch das Meer ist ruhig und warm. Auch sehr wohltuend! Mein erster Meeresbesuch in diesem Jahr.

Wir holen die verlorene Geldbörse der Priesterin am ersten Schrein ab und merken, dass Motoko ihren Geldbeutel im Onsen vergessen hat. Also nochmal zurück und auch das abgeholt. Müde aber glücklich fahren wir nach Tottori zurück. Leider ist der Abend noch nicht zu Ende: Unsere Priesterin ist zufällig die Tante der Mutter von Motokos bester Freundin Ai. Die Mutter besitzt eine von uns häufig frequentierte Karaoke-Bar, wo wir natürlich noch einkehren. Unsere Mutti kommt ebenfalls hinzu.
Wenigstens ist das einzige, was hier noch feucht ist, das Biru und mein Lied über Tränen und Wolken, das ich singen muss. Ich schlafe fast am Tresen ein und darf gegen 1:30h endlich erschöpft in mein Bett fallen.
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19. Juli - Tag 14:
Am Kanal / die Tänzerin Kiriko / ein Bauhausabend

Wir wandern heute an einem alten Fluss entlang, der durch die Stadt führt. Inzwischen wurde er reguliert, weil es einige schwere Überschwemmungen gegeben hatte. Am Kanal entlang führt eine zauberhafte Allee, die Schatten und Kühle spendet. Am Wegesrand sind verschiedenste Gewächse gepflanzt, die jetzt in den buntesten Farben blühen. Ich möchte die Bilder von heute bald in einer Fotogalerie zeigen.

Zur Mittagszeit essen wir in der Uni-Mensa und treffen dann unsere Tänzerin Kiriko. Sie entwirft für unser "Tomasi"-Trio eine Choreographie und wird diese am 1. und 3. August mit uns im Konzert vorführen.
Ich bin schon sehr gespannt, weil ich glaube, dass sie sehr gute Ideen hat.
Nebenbei: Als wir gemütlich im Mensa-Cafe sitzen, kommt ein mächtiges Gewitter und ein wahrer Platzregen nieder. Ich denke jetzt an unsere Freunde in Deutschland, die das wohl ebenfalls kennen.

Nach unserem Arbeitskaffee verfolgen wir unsere Pläne, das elterliche Haus bei dieser Hitze etwas gemütlicher zu machen. Hier in Japan sind Bambusmatten, die man vor die Fenster und Türen hängt, sehr angesagt. Außerdem wollen wir einen Ventilator und Silberputzpaste kaufen. Aber Pech gehabt: Wir vergessen (wie üblich) zu Hause die Fenster auszumessen und wissen nicht, welche Länge die Matten haben sollen. Außerdem gibt es nur Silberputztücher (im Bauhaus!!!) und wir können uns für keinen Ventilator entscheiden.
Also nach Hause und Curry gekocht!
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18. Juli - Tag 13:
Alte Hasen / kleiner Hausputz / an der Uni

Wir sind schon erfahrene Tottori-Spazierer und rüsten uns gut für die nächste morgendliche Erkundungstour: Mit Sonnenbrille, Strohhut, Fächer und Sonnenschirm sehen wir allerdings eher aus wie Sommerfrischler als wie Touristen oder gar Einheimische. Bereits um 8 Uhr ist es sehr warm, doch durch die Stadt zieht ein angenehmer kühler Wind. Im Schatten lässt es sich ganz gut aushalten.
Wir entdecken allerlei, kehren nach drei Stunden kurz bei zwei Bäckereien ein und frühstücken dann zu Hause.

Eine kleine Hausputzrunde am Mittag, dann geht es auch schon weiter an die Tottori University.
Wir sind Gäste einer Vorlesung. Es scheint sich dabei um eine Vorstellung der "Arts"-Sparte der Universität zu handeln. Professor Niikura zeigt, welche Veranstaltungen durchgeführt werden und was das mit uns und seiner Deutschlandreise zu tun hat. Wir spielen einen Teil seiner Komposition "Kokopelli" und noch kleine Barockstücke. Damit können wir gleich für unsere kommenden Konzerte werben.

Mit Werbung geht es gleich weiter: Unsere Japan-Managerin Frau Matsuda-Jaser hat einen Promotiontermin mit der Uni-Brassband. Leider gibt es keine Probe, die Studenten verteilen sich in den Musik-Häusern und auf dem Platz und üben. Wirklich fleissig! Wir klappern einige wichtige Stellen ab und laden die Studenten zu unseren Konzerten ein.
Auch heute haben wir uns das eisgekühlte Biru redlich verdient!
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17. Juli - Tag 12:
Wanderung mit Folgen / im Schrein / Unterricht im Gymnasium

Wir erkunden wieder einmal die Stadt und laufen einfach unserer Nase nach. Bis wir an einem Shinto-Schrein haltmachen, der zu Motokos Gemeinde gehört. Eine ältere Frau spricht mich an und zeigt mir die schönsten Foto-Objekte. Sie ist die örtliche Priesterin und lädt uns spontan in das Innere des Schreins ein, wo sie erklärt, wie die Rituale zelebriert werden, wozu die Accessoires gut sind und auf welchem Weg die Götter zu den Menschen kommen.
Danach plaudern wir bei ihr zu Hause bei Kaffee und Gebäck im wörtlichen Sinn über Gott und die Welt. Wir erfahren viel über Japans Geschichte und die religiöse Entwicklung. Sie erzählt uns, dass sie eine Art 6. Sinn oder Hellsicht hat und gibt uns einige Ratschläge für das Zusammenleben, unsere musikalische Entwicklung und zum Umgang der Menschen untereinander. Ob göttliche Einsicht oder nicht: Ich finde es faszinierend, einer solch erfahrenen und in sich ruhenden Frau zuzuhören. Insgesamt verbringen wir etwa 4 Stunden bei ihr.
Wir bekommen von dieser über-siebzigjährigen Dame allerlei Geschenke, z.B. zwei wunderschöne Sakegefäße, Stäbchen-Halter und zwei sehr schöne Teller. Was für nette Menschen gibt es hier!

Am Nachmittag eine weitere Unterrichtsrunde im Gymnasium. Der neue Musiklehrer, Herr Kagawa, wohnt meinem Unterricht bei. Er ist sehr interessiert und hilft mit Erklärungen aus, wenn mein gebrochenes Japanisch nicht verstanden wird.
Schüler und Lehrer sind ganz begeistert und bitten um weiteren Unterricht, was wir gerne machen. Allerdings gibt es nächstes Mal ein kleines Abschlusskonzert.
Außerdem gibt wird mir ein langgehegter Wunsch erfüllt: Ich darf nächste Woche die Baseballmannschaft des Schule (inclusive Blasorchester, Cheerleader und Animateuern) beim Spiel begleiten. Bin extrem neugierig!

Ich habe wirklich unglaublichen Durst und öffne sofort ein kühles Biru, als wir nach Hause kommen. Dann werde ich müde und kann gerade noch ein wenig essen - habe gar nicht registriert, was - und schlafe sofort ein.
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16. Juli - Tag 11:
Feiertag: endlich mal in Ruhe arbeiten / Quintettprobenbesuch

Es ist Feiertag und das Haus ist morgens lange ruhig. Ich ergreife die Gelegenheit und erledige mal wieder, was es zu machen gibt. Schriftverkehr, Veranstaltungsplanung usw. Motoko und die Mutter fahren irgendwann "Shoppingu" und ich leiste mir am Nachmittag ein wohlverdientes Schläfchen.

Wir hatten eigentlich geplant, Nachmittags Angeln zu gehen, doch das Shoppen und mein Schläfchen dauern bis in den Abend. Außerdem wollen wir einige Freunde besuchen, die eine Quintettprobe machen. Gesagt - getan: Wir erwischen das Quintett bei den letzten Takten. Sie spielen uns noch ein paar Stücke ihres Repertoires vor. Ich wundere mich: Dieses wirklich gut funktionierende Amateurquintett spielt schon seit fünf Jahren zusammen, hatte aber erst ein(!) Konzert. Das nenne ich ambitioniert!
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15. Juli - Tag 10:
Mittagskonzert / Theatertee / wieder Eis

Ein langer Tag, ein heißer Tag: das Thermometer klettert über die 35Grad-Marke. Wir haben ein Mittagskonzert in der Washi Kobo Papiermanufaktur. Dort gibt es natürlich Klimaanlagen. Jedoch merke ich, wie die hohe Luftfeuchtigkeit und die "Klima"-Luft das Holz von Instrument und Rohr beeinflussen. Alles geht ein bisschen schwerer. Doch das Konzert läuft prima. Meine Onsenbekanntschaft vom Vortag ist mit seiner Frau ganz spontan gekommen.
Wir müssen unbedingt nochmal in die Papiermanufaktur und die brandneue Papierausstellung besuchen. Ich verspreche schon jetzt eine tolle Bilderserie!

Wir haben eine weitere Besprechung in einem Theaterkomplex, wo wir demnächst einige Aufnahmen machen werden. Der Raum ist toll, aber wir werden bei dieser sengenden Hitze nur am Abend oder nachts aufnehmen können. Die Kimaanlage ist zu laut!
Vielleicht freuen sich unsere Fans zu Hause schon, denn wir werden ein paar tolle Stücke aufnehmen.

Als Belohnung für das Konzert gibt es heute leider kein Bier. Wir kehren dafür wiederum zur Eisdiele zurück. Man gönnt sich ja sonst nichts! Heute wähle ich Rum und Schokolade. Bin halt ein echter "がいじん" (per copy&paste auf Wadoku suchen!)!
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14. Juli - Tag 9:
Bekanntschaften im Onsen / ein spendiertes Eis und Soba / Spaziergang durch Shikano

Es ist Wochenende: Wir fahren für mich etwas überraschend schon mittags los nach Shikano, um wieder mal in's Onsen zu gehen. Gebadet wird doch eigentlich abends? Im Bad spricht mich ein Mann an. Ich bemerke, dass Japaner immer erst fragen, ob man Japanisch spricht. Wenn ich antworte: "Nur ein bisschen", dann kommt Englisch dran. Wenn ich dann antworte, das würde mir wesentlich besser passen, sagen sie, dass sie Englisch gar nicht sprechen. Umso besser, dann kann ich ein bisschen trainieren.
Wir sprechen über Fußball, Ski-fahren und die Alpen und natürlich über das Wetter. Außerdem über Eis, was in der Region eine Spezialität darstellt. Der Herr lädt mich ein, aber ich möchte das Bad ohne Frau und Schwiegermutter nicht verlassen. Also zieht meine Bekanntschaft los und besorgt für mich und Motoko jeweils eine Portion.

Wir essen eine weitere Spezialität der Gegend, handgemachtes "Soba" und besichtigen danach das "Lotosdorf" Shikano. Tatsächlich scheinen die Bewohner gezwungen zu werden, an jeder Ecke und vor jedem Haus einen Kübel mit Lotos aufzustellen.

Als Abschluss schauen wir selbst bei der berühmten Eisdiele vorbei. Tomate, Mais, Soja und Grüntee gibt es dort. Ich entscheide mich für Heidelbeer und Espresso.
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13. Juli - Tag 8:
Morgenspaziergang / Sandskulpturen / Fröhliche Besprechung

Wieder erwachen wir früh um 4 Uhr (wann hört das endlich auf?) und machen später gegen 6 Uhr unseren Morgengang. Wir sind kurz nach sieben wieder zu Hause, weil wir unsere Mutter zur Arbeit fahren müssen. Schließlich wollen wir heute das Auto haben.
Mittags ziehen wir los Richting Meer und besuchen eine Sandskulpturen-Ausstellungshalle. Dieses Jahr ist das Thema "England". Wirklich faszinierend, welchen Detailreichtum man entdecken kann. Ein Mitarbeiter erklärt uns, es gäbe weltweit nur 50 Künstler, die auf professioneller Basis Sandskulpturen erschaffen.
Wir möchten dann unser nahe gelegenes Lieblingsbad besuchen. Dort hat man einen sensationellen Blick auf das Meer! Leider sind mal wieder die Pumpen defekt.

Abends sind wir zur "Besprechung" der Festival-Gründer eingeladen. Wir tagen in einem tollen Restaurant, drinken Bier und Sake. Schnell wird klar: So ernst ist das heute nicht.Wir lernen den Künstler kennen, der im Rahmen des Festivals ausstellt. Sehr nett und schöne Bilder! Ich versuche, ihm einmal ein Extra-Kapitel zu widmen.

Der Nächste Lokalwechsel ist für mich eine besondere Überraschung: Vor Jahren haben wir eine wirklich sehr kleine Bar besucht, dessen Besitzer Musik aus seiner umfangreichen Plattensammlung auflegt. Wirklich nur ein Tresen mit 4 Stühlen und die Tür nach draußen. Ich habe noch nie jemanden so langsam, liebevoll und umständlich Kaffe-machen gesehen.
Der Besitzer musste für ein Jahr pausieren und war nun gezwungen, ein größeres Lokal zu mieten. Umso besser, kann er doch endlich mal Gewinn machen. Nun ist es ebenso gemütlich wie früher.
Wir haben diesmal einige Cocktails probiert. Einfach klasse! Das wird unser Stammlokal Nr. 2. Wenn wir könnten, würden wir das ganze Lokal samt Besitzer mit nach Bremen nehmen.
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12. Juli - Tag 7:
Ein schlapper Tag: Allein zu Hause / die Monsterstraße

Manga-MonsterWie gewöhnlich bin ich wieder seit 4 uhr morgens wach. Ich lese bis in den späten Vormittag hinein und vergesse darüber sogar meine Reiseaufzeichnungen.
Mittags machen sich Motoko und ihre Mutter auf eine Reise in die Nachbarstadt Sakai Minato. Ich bleibe zu Hause, weil ich allerlei Pläne habe: Allein herumspazieren, ein kleiner Hausputz und viele kleine Dinge, die es zu erledigen gilt.
Tatsächlich mache ich ein paar Schritte vor die Tür, bevor mich eine unwiderstehliche Müdigkeit übermannt. So schlafe ich friedlich bis in den Abend hinein.

Motoko und Mutti bringen einige schöne Bilder aus Sakai Minato mit. Dort gibt es eine "Straße der Monster": Die Werke des sehr bekannten Mangakünstlers Shigeru Mizuki werden dort verewigt. Er selbst wird wie ein Held verehrt.
Zu bewundern in unserer Bildergalerie
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11. Juli - Tag 6:
Wespen / Promotour / Starkregen

Monster-WespenköniginBeim morgendlichen Blick in den Garten fällt mir ein eigenartiges Geräusch auf: Ein riesiges Insekt scheint immer wieder eine Stelle an der Hauswand anzufliegen. Ich sehe durch die Tür nach draußen und nehme eine Wespe mit unglaublichen Ausmaßen wahr, umringt von kleineren Artgenossen, die bereits bis zu drei Zentimeter messen.
Mein verehrter Bruder Dr. Wo möge mir widersprechen: Ich bin sicher, es handelt sich um eine Königin, die den Neubau eines Nestes unter unserem Vordach beaufsichtigt. Leider bekomme ich nur ein unscharfes Bild von dem Ungetüm, dafür kann man den Nestbau sehr gut beobachten.

Es ist sehr regnerisch, deswegen verzichten wir auf unseren geplanten Ausflug zum "Schrein in den Felsen", wo Kletterfestigkeit gefragt ist. Stattdessen unternehmen wir am Nachmittag eine kleine Plakate-kopieren-Tour und machen uns an die Verteilung als Promotion für unsere Konzerte im August. Großes Pech: Beim dritten oder vierten Geschäft vergessen wir unser Material. Als wir zurückkehren, hatte der Laden schon zu.
Am Abend erleben wir zu Hause einen Sintflut-artigen Wolkenbruch. Ich frage, ob man nicht die stets geöffneten Fenster und Türen im Erdgeschoß schließen sollte, aber die Anwohner nehmen es gelassen: Wir schlafen ja im ersten Stock.
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10. Juli - Tag 5:
Noch ein Spaziergang / ein stiller Besuch

Wieder früh erwacht, pflegen wir unseren morgendlichen Spaziergang. Diesmal wollen wir vielleicht sogar bis zur Meeresmündung laufen. Doch schon beim Start die ersten Komplikationen: Motoko möchte "walken", ich fotografiere lieber gemütlich den Wegesrand. (siehe "Das Bild des Tages")
Als wir uns später wieder treffen, macht ein schnödes "wir müssen auf's Klo" unsere großen Wanderambitionen zunichte: Also zurück nach Hause! Vielleicht schaffen wir noch einen größeren Ausflug, solange die Regenzeit anhält und die Tagestemperaturen moderat sind.

Nach dem gewohnten Nachmittags-Nickerchen besuchen wir Motokos Vater und die Großeltern auf ihren Friedhöfen. Für Motoko ist das in jedem Jahr ein wichtiges Ereignis.
In Japan läßt man die Verstorbenen viel am Leben teilhaben. Man spricht oft mit ihnen und legt am Grab oder am Schrein zu Hause Geschenke und gutes Essen aus (bis man es dann selbst verzehrt). Ich sehe an den Gräbern immer wieder Bier, Grüntee oder andere Dinge, die die Verstorbenen gerne mochten.
Wir reinigen die Gräber mit Wasser, schmücken sie mit frischen Blumen, zünden einige Räucherstäbchen an und sagen damit "Hallo, wir sind wieder in Japan".
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9. Juli - Tag 4:
Ein Morgenspaziergang / der Jetlag / Unterricht

Immer noch sind wir morgens gegen 5 Uhr munter. Es ist bereits seit 4 Uhr hell. Was liegt näher, als sich gemütlich die Gegend zu erwandern, bevor die Tageshitze zuschlägt?
Wir laufen einige hundert Meter bis zum Fluss Sendai (gawa), der durch Tottori führt und geradewegs in das Japanische Meer mündet. Morgens ist das wirklich herrlich!
Leider macht die Morgenluft auch müde, mein vorhaltender Jetlag holt mich ein und läßt mich für einige Stunden nochmals seelig schlummern.
Am Nachmittag besuchen wir Motokos Gymnasium, wo wir den Oboisten und Fagottisten Unterricht geben. Wie ich letztes Jahr schon geschrieben habe, müssen die Kinder sich eher autodidaktisch mit ihren Instrumenten beschäftigen. Die Musiklehrer helfen natürlich, sind aber keine Fachlehrer. Die Ergebnisse, die die japanischen Schüler dabei nach ein oder zwei Jahren vorweisen können, sind wirklich beachtlich!
Der Unterricht macht uns so viel Spaß, dass wir uns nochmals verabreden. Bin gespannt, wie sich die Schüler entwickeln.
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8. Juli - Tag 3:
Endlich ausschlafen / ein langer Spaziergang / der erste "Onsen"-Besuch

Nach dem üblichen 4-Uhr-Nachtwandeln schlafe ich bis in den Nachmittag hinein. Der erste Tag seit gefühlten fünf Monaten, an dem wir uns richtig entspannen können.
Mit der Familie (Mutti und Onkel) unternehmen wir einen kurzen Spaziergang, der sich auf meinen Wunsch auf eine 7-Kilometer-Bergbesteigung ausweitet. Ich hatte einen unglaublichen Bewegungsdrang und meine japanische Familie hätte sich wohl eher die Füße abgelaufen, als mir diesen Wunsch abzuschlagen. ...die Armen!
Habe später erfahren, dass Motoko und Mutti bereits am Morgen eine Stunde gelaufen sind...
Dann als Abschluss ein Besuch im Onsen, dem berühmten japanischen Thermalbad. In und um Tottori gibt es eine Menge davon. Wie gut sich das anfühlt, kann man fast nicht beschreiben. Ich empfehle jedem, das mal selbst zu probieren!
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7. Juli - Tag 2:
Beinahe verschlafen / Kinderkonzert im Spielzeugmuseum / "unser" Caprice

Immer noch ein wenig erschöpft waren wir dennoch ab vier Uhr morgens wach. Sehr gut, da kann man ja alles möglich erledigen. Nach einigen Stunden überfiel uns nochmal die Müdigkeit, beinahe hätten wir dann unsere Generalprobe am Mittag verschlafen. Mit etwas Glück und Onkels Hilfe haben wir es doch geschafft.
Probe - Pause - Konzert und dann endlich die Siegesfeier im Caprice, unserem Kokopelli-in-Japan-Stammlokal. Der Besitzer und Chefkoch ist selbst Musiker und Dirigent und außerdem ein Gönner unserer Aktivitäten. Es fühlt sich alles schon so vertraut an!
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6. Juli - Tag 1:
Wiedersehen der alten Freunde und Probe im Warabekan.

Die Regenzeit macht ihrem Namen alle Ehre: Nachdem wir bei wunderschönem Wetter und milder Temperatur das Warabekan (Museum für Spielzeug und Kinderlieder) erreichten und mit unseren Freunden Prof. Niikura und Frau Kawasaki ein Wiedersehen feiern konnten, entschied sich der Himmel, alles zu geben. Nach unserer Probe für das Tanabata-Konzert im Museum konnten wir Schwimmreifen aufziehen und uns nach Hause spülen lassen. Zum Glück gibt es Ausleihschirme und eine Mutter, die uns mit dem Auto abholt.
Das Warabekan hatte es geschafft, für unser Konzert im Fernsehen auf NYK zu werben - lokal, versteht sich. Schade, dass man das nicht in Augsburg und Bremen empfangen kann!
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4. und 5. Juli
Reise und Ankunft:

Japan ruft, und schon geht es los: Diesmal fliegen wir mit Turkish Airlines mit einem gemütlich langen Aufenthalt in Istanbul. Eigentlich wollten wir etwas in die City schnuppern. Dann allerdings fanden wir im Flughafen ein nettes Cafe mit WLan, wo wir uns einnisteten.
Während des Fluges wurden wir gut versorgt - mit Kebap, Bord-Slippern, kleinen Geschenken und gutem Service. Unser Fehler: "Sicherheitshalber" hatten wir in Istanbul noch tüchtig Linsensuppe gegessen. Leider gab es im Flieger an jeder Wolke eine neue Mahlzeit, die wir unbedingt mitnehmen mussten - bei dem Preis für den Schwaben ein MUSS! - leider mit unangenehmen Folgen für das Bäuchlein:(
In Osaka angekommen konnten wir am weltberühmten OCAT sofort einen Bus nach Tottori, unserem Ziel, erreichen. Zur großen Enttäuschung unserer Mutti wollten wir einfach nichts mehr essen und fielen alsbald erschöpft in die Futon-Matte.
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